Die Weine
In einem typischen traditionellen Familienweingut an der Mosel liegen Weinanbau, Weinausbau und die Vermarktung der Weine in einer Hand. Es gibt keine Trennung der Zuständigkeiten für Weinberg und Keller – so wie es in vielen Weingütern und -unternehmen weltweit der Fall ist.
Alles läuft durch die eigenen Hände, geht durch den eigenen Kopf, durchs eigene Herz. Beratschlagt wird in der Familie, der Austausch mit Kollegen und die Resonanz der Weinliebhaber kommen ergänzend hinzu. Letztlich jedoch kommt der Erfahrung, die aus dem Gelungenen, aber auch aus dem weniger Gelungenem und dem Misslungenen erwächst, die Hauptrolle bei der Arbeit des Winzers zu. Aber im Wesentlichen geben Rebstock und Wein die Linie vor. Beim Wein denkt man manchmal an den Rebschnitt im Winter, an die Stockarbeit im Sommer und vieles mehr. Und beim Rebschnitt, bei der immer wieder neuen, nie gleichen individuellen Formung eines jeden Stockes stellt man sich die Trauben vor, die man hofft zu haben, und manchmal sieht man schon den Wein im Glas vor sich.
Der Weinanbau stützt sich auf die Grundvoraus-setzungen für charaktervolle Moselweine. Dies sind bei uns steile, schiefergeprägte Weinberge die in der Hangneigung zwischen 30 und 100% variieren und ausschließlich mit relativ schwachwüchsigen Riesling-Reben bepflanzt sind. Diese versuchen wir mit allen Mitteln der Zurückhaltung und der notwendigen pflegerischen Eingriffe zu einem Ertrag um die 50 hl pro Hektar zu führen. Die Düngung erfolgt äußerst zurückhaltend und nur in Form von Zuführung von organischer Masse. Alles was dazu führen könnte zu viele und zu dicke Trauben zu erhalten wird gezielt vermieden.
Gezieltes Entblättern der Traubenzone und das Ausschneiden überzähliger Trauben zum richtigen Zeitpunkt werden in unseren Weinbergen je nach Bedarf durchgeführt. Der viel Geduld und Nerven kostende Höhepunkt aller Anstrengungen ist jedoch dann die Lese, die normalerweise etwa Mitte Oktober beginnt und sich je nach Jahr bis weit in den November hineinziehen kann. In zwei, drei, manchmal sogar vier oder fünf Lesegängen selektieren wir die Trauben, immer das Ziel im Auge, möglichst gesunde und dennoch optimal ausgereifte Trauben zu ernten. Ziel sind klassische Riesling-Weine mit einer großen geschmacklichen Harmonie, die zugleich über viel Differenziertheit und Komplexität im Ausdruck verfügen.
Im Mittelpunkt steht der Ausbau fruchtsüßer Weine. Nirgendwo sonst außer an der Mosel kann man frucht- und edelsüße Weine erzeugen, die mit einer derartig faszinierenden Säure- und Mineralspannung ausgestattet sind. Besonders der Piesporter mit seiner ausgeprägten Mineralität vermag es, die Süße so faszinierend zu verpacken, daß man die volle, nicht zu Alkohol vergorene Fruchtsüße und -aromatik genießen kann, ohne im geringsten den Eindruck eines übersüßen Weines zu haben. Besonders ist dies nach einigen Jahren der Flaschenreife zu schmecken. Für unsere Weine streben wir ein langes, meist über Jahrzehnte reichendes Reifungs- und Alterungspotential an. Es ist immer wieder faszinierend, wenn Weine im hohen Alter noch unglaublich frisch schmecken.
Zurückhaltung und sensibles Eingreifen ist auch dem Ausbau geschuldet, der bei allen restsüßen Weinen mit spontanen, natürlichen Hefen stattfindet. Die Vergärung der Moste läuft bei kontrolliert niedriger Temperatur, entweder im Edelstahl oder in klassischen alten Eichenfuder-Fässern.
Unsere Weine verfügen ausschließlich über eine natürliche Restsüße, die durch Gärunterbrechnung erhalten wird. So wird der reine und volle Fruchtausdruck der jeweiligen Lage bewahrt. Für die Kabinett-Weine werden gezielt nur gesunde Trauben gelesen, und es wird auf einen besonders filigranen, belebenden, nicht zu üppigen Ausdruck des Weines geachtet. Auch die Spätlesen keltern wir ausschließlich aus vollreifen gesunden Trauben. Trotz aller Fülle und Komplexität der Aromen streben wir bei diesen Weinen einen sehr animierenden, frischen, möglichst verspielten Charakter an. Ab den Auslesen kommen dann meist die durch die Edelfäule (Botrytis), rosinenartig eingeschrumpfte Beeren ins Spiel. Bei diesen Spitzenweinen lohnt sich in jedem Fall eine lange Lagerung, denn sie werden mit jedem Jahr interessanter - ob als Aperitif oder Dessertwein, oder einfach zum Sologenuss.
Bei den trockenen Weinen pflegen wir einen frischen und lebendigen, mineral- und säuregeprägten Stil, der seine ganze Qualität und Finesse oft erst nach einigen Jahren der Flaschenreife zeigt. Wir verzichten bei diesen Weinen allerdings auf die Bezeichnung "trocken" auf dem Etikett, da die Weine nicht immer die gesetzliche "Trocken-Grenze" erreicht haben, dennoch aber den geschmacklichen Charakter eines trockenen Weines haben. Entsprechend den hochmineralischen Piesporter Lagen präsentieren sich diese Weine selbst mit einer geringen natürlichen Restsüße schon nach wenigen Jahren der Entwicklung als perfekt trocken.
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