Die Römische Kelteranlage in Piesport
Im Mai 1985 wurden bei Wegebauarbeiten im Rahmen der Flurbereinigung umfangreiche Mauerreste angeschnitten. Der relativ gute Zustand wurde den Mauern allerdings beinahe zum Verhängnis: man stufte sie als neuzeitlich ein. Nur der Aufmerksamkeit Reinhold Haarts ist es zu verdanken, dass die Archäologen gerade noch rechtzeitig eingreifen und die Mauern als Teile eines antiken römischen Bauwerks identifizieren konnten.
Die römische Kelteranlage datiert auf das 4. Jahrhundert n. Chr. Sie umfasst sieben Becken, die mit einem abdichtenden Estrich aus Kalk-Ziegel-Gemisch versehen sind. Die Größe der Maischebecken hat ausgereicht, um die Erträge einer Fläche von 50 bis 60 Hektar Weinberg während eines Herbstes zu verarbeiten. Das entspricht in etwa der heutigen Größe der Piesporter Spitzenlage Goldtröpfchen, in deren Hangfuß die Kelteranlage angelegt ist.
Die große Baumkelter (siehe Bild) über den beiden Kelterbecken wurde rekonstruiert und so konnte im Oktober 1992 die antike Kelteranlage wieder in Betrieb genommen werden. Seither werden anlässlich des Piesporter Weinfestes am zweiten Septemberwochenende in der römischen Kelteranlage nach historischem Vorbild Trauben gekeltert.
Einer der vier Kellerräume diente als Fumarium. In diesen Keller konnte Rauch eingeleitet werden, der dem Wein eine frühe Reife, aber auch einen rauchigen Geschmack verlieh.