Herbstbericht 2010

Sehr geehrte Weinfreunde,
die 2010er Weine sind in der Flasche und damit endet unsere Winzerarbeit mit dem „Jahrgang der Extreme“. Eigentümliche Wetterbedingungen über das ganze Jahr bedingten den einzigartigen Charakter der Weine.
Zunächst wollte im Frühjahr der Winter nicht weichen, die Temperaturen blieben bis in die Rebblüte im Juni wenig freundlich. Deswegen bildeten die Reben wenige, meist kleinbeerige Trauben. Der Sommer kam dann mit Wucht, die fehlende Reife war schnell aufgeholt und wir sahen im August einem kleinen aber feinen Jahrgang entgegen.
Doch dann blieb die Entwicklung Mitte September bei kühlem und regnerischem Wetter stehen. Während die Mostgewichte zwar weiter anstiegen, sanken die Säurewerte ungewöhnlich langsam und blieben ab Oktober praktisch unverändert. Das dann einsetzende trocken-warme und windige Kontinentalwetter half bei der weiteren Reifeentwicklung, vermochte aber nicht, die Säure auf das sonst gewohnte Niveau zu senken. Im Gegenteil, auf den reifsten Beeren bildete sich Edelfäule, die - bedingt durch das trockene Wetter - rasch zu Rosinen mit aberwitzigen Mostgewichten wie auch Säurewerten führte.
Bei der Lese ab der dritten Oktoberwoche galt es dann edelfaule von gesunden Trauben zu trennen. So konnte eine für uns ungewöhnlich hohe Vielzahl an edelsüßen Weinen gewonnen werden, von feinen Auslesen bis zur Trockenbeerenauslese. Überraschend waren die Ergebnisse aus den gesunden Trauben: Weine mit klarer, reifer Aromatik und präsenter, aber hervorragend eingebundener Säure. Die trockenen Weine wirken nie grün oder aggressiv, wie anfangs befürchtet, sondern extraktreich und salzig. Klare Gewinner sind jedoch die sehr eleganten Spätlesen und erfrischenden Kabinettweine, saftig und animierend lässt die Säure die Süße niemals in den Vordergrund treten.
So sind die 2010er bereits als Jungwein ein spannungsgeladener Genuss und werden selbst nach über 10 Jahren sich diese Jugendlichkeit bewahren können. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen mit diesem, für uns, quantitativ kleinen und schwierigen Jahrgang, der aber geradezu überraschend gelungene Weine hervorgebracht hat.
Ihre Familie Haart